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Demnach bringt "family business" in der Tat eine ganz eigene Welt hervor, die wirtschaftlich gesehen aber extrem wichtig ist: Nach Stames Ansicht ist es ein gravierender, arroganter Irrtum der neo-klassischen Theoriebildung, diese Familienunternehmen als noch nicht professionalisierte Betriebe der Zukunft abzutun, in denen schnellstens moderne Managementstrukturen eingeführt werden müssen, auf dass etwas "Vernünftiges" aus ihnen werde. Diese Sichtweise ignoriert die Tatsache, dass es genau diese "unprofessionalisierten Betriebe" sind, in denen die meisten Arbeitsplätze geschaffen werden, wie sie auch den Großteil des Bruttosozialprodukts eines Landes erwirtschaften. Außerdem, so Stame, mangelt es dem "family business" nicht an Strukturen - es hat nur andere als ein Großkonzern; angepasst an die Situation, in der sich diese Familienbetriebe oft befinden: So ist "family business" sehr oft eigenfinanziert; und zwar in dem Sinn, dass entweder tatsächlich Eigenkapital eingebracht wird oder die Tochter wenigstens das Grundstück geschenkt bekommt, auf dem sie ihr Geschäft bauen kann. Ebenso weist "family business" häufig einen extrem hohen Flexibilisierungsgrad auf (womit gemeint ist, dass Arbeit und Freizeit zusammenwachsen) oder reinvestiert den erwirtschafteten Gewinn in das Universitäts-Studium der Kinder, die schon im Betrieb mitarbeiten. Weiters ist typisch, dass es keine klassischen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnisse gibt, sondern dass freundschaftlich-familiäre Beziehungen (man dutzt einander, trifft sich auch außerhalb der Arbeitszeit, ist mehr Freund als entrückter Chef usw.) den Arbeitsalltag bestimmen. Wie auch zu beobachten ist, dass die Gründung des Unternehmens nicht auf der Basis einer ausgetüftelten Strategie zur Eroberung eines Marktes passiert, sondern oft aus einer Abenteuerlust, aus einer Spielerei oder gar aus einer Wette heraus erfolgt. Wobei man es deshalb nicht bei einer Spielerei belässt und stattdessen gleich Unternehmerin oder Unternehmer wird, weil das vielleicht die Mutter oder der Onkel auch schon waren und man durch familiäres "Mit-Leben" einiges an "stillem Wissen" über Business und Business-Praktiken erworben hat, also hin in Richtung UnternehmerIn sozialisiert wurde. Folgt man Stame, ist die Welt des "family business" also eine der Traditionen und guten Beziehungen, des gelebten Berufs und des riskierten Eigentums, des unaufhörlichen Kommunizierens und des Schaffens wie Teilens von Lebenszusammenhängen (was im Übrigen nicht heißt, dass es hier nicht auch Streit, Misserfolg und ein Scheitern geben kann, das ganze Familien ruiniert; "family business" ist sicher keine Kuschelbude). Ganz eng arbeiten Menschen in ihr zusammen; schließen an das an, was an (Lebens- und Wirtschafts-)Kultur bereits da ist, um es weiter auszubauen. Es ist folglich - und schon die simple Alltagserfahrung mit KMUs kann das nur bestätigen - eine Welt, die als "Lebensraum " erfahren und gelebt wird... "Als ,Lebensraum erfahren und gelebt wird'...?" Ja. Sich als Teil eines bestimmten (historisch-kulturellen) Geschehens fühlen, dieses Geschehen durch Teilhabe verstehen, Gespräche suchen, aus diesen Gesprächen Arbeitssituationen machen, in diesen Arbeitssituationen das plötzliche Entstehen von Angebot und Nachfrage erleben, zum nächsten Gespräch weitereilen, die Lebenswelt immer genauer kennen lernen, sich von ihr zum nächsten Kontakt und Auftrag weitertragen lassen, wie in einem Ozean schwimmen, schwimmen und wieder schwimmen, bis man jede Strömung, jeden Fischschwarm, jede Untiefe kennt - DAS ist "family business"; das Agieren in und mit "Lebensräumen"! Und weil "family business" eben genau so ist, ist
es immer Raumwirtschaft. Raumentfaltung, die Einpassung in Lebensräume
ist ihr Thema; nicht die Flächenbesetzung, nicht das Denken
in neutralen Schachteln! |