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Permakultur - Wirtschaft

von Thomas Diener

Könnte ein florierendes Unternehmen nicht auch aussehen wie ein blühender Garten: Voller Leben und innerem Reichtum. Ein Betrieb in dem der abgedroschene Satz "Der Mensch steht im Mittelpunkt" wirklich seinen Platz hat?

Permakultur ist heute erst wenigen Menschen ein Begriff. Sie setzt sich aus den Wörtern Permanent und Agriculture zusammen und beschreibt eine von Bill Mollison entwickelte Form der Landwirtschaft, die hohe Erträge, biologischer Anbau, nachhaltiges Wirtschaften und minimaler Arbeitsaufwand miteinander verbindet. Eine Definition findest Du unter www.permakultur.de

Ja, wenn solche Resultate möglich sind, warum wissen dann noch nicht alle vom Segen dieser neuen Methode?

Methode ist das falsche Wort, es handelt sich eher um eine Philosophie. Und damit ist auch schon die erste Schwierigkeit verbunden. Einer Denkweise die vom allgemeinen Paradigma abweicht, fehlen die Anschlüsse zu ihrer Zeit. Das ist vergleichbar mit einer wunderschönen neuen Stereoanlage, aus der einfach ein paar Kabel heraus hängen, die sich nicht mit der bestehenden Steckdose und den Boxen verbinden lassen. Selbst ein Juwel von einem Gerät bleibt so nutzlos liegen und verstaubt.

Dieses Bild leuchtet mir ein, damit ist aber noch nicht's darüber ausgesagt, was die Permakultur ausmacht und warum eine Landwirtschaftsmethode eine Relevanz haben sollte, für die Entwicklung eines Unternehmens.

Dazu muss ich die Permakultur zuerst kurz vorstellen. Jeder Mensch wird das in seiner Weise machen und es gibt daher ganz verschiedene Interpretationen dessen, was Permakultur "wirklich" ist:

Stell dir vor, du möchtest einen Permakultur-Garten anlegen. Dazu hast du ein Stück Land erworben. Jetzt wirst Du erst einmal ein Jahr gar nichts machen! Nichts machen heisst jedoch nicht untätig sein. Du wirst so oft wie möglich zu deinem Land gehen, vielleicht wirst du sogar - in einem Wohnwagen oder einem Zelt auf deinem Land wohnen. Du wirst jedoch nur beobachten und nicht eingreifen:

  • Was wächst auf diesem Land?
  • Gibt es verschiedene Mikro-Klimas?
  • Gibt es Stellen, die auch in trockenen Sommermonaten nicht austrocknen?
  • Gibt es andere Stellen, die auch in nassen Jahreszeiten relativ trocken bleiben?
  • Welche Elemente machen dieses Stück Land aus?
  • Was ist die Besonderheit des Bodens?
  • Usw.

Erst nachdem Du mit all dem Kontakt aufgenommen hast, wirst Du anfangen zu planen. Nun ist wichtig, dass Du alle Elemente des Gesamtsystems so planst, dass sich diese in ihren Funktionen möglichst stark überschneiden und ergänzen. So wird ein Apfelbaum nicht einfach als ein Produzent von Äpfeln gesehen. Dieser Baum hat noch viele andere Funktionen, die im Gesamtsystem eine Rolle spielen:

  • Er wirft Schatten
  • Er lockert den Boden
  • Er zieht gewisse Tiere an
  • Er wirft im Herbst Blätter ab
  • Er wird zu seinem Ende auch Brenn- und/oder Bauholz liefern.
  • Er verträgt sich mit gewissen Pflanzen besonders gut, mit anderen gar nicht.
  • Usw.

Du wirst also schauen, dass möglichst viele dieser Funktionen im Zusammenspiel mit anderen Elementen des Gartens einen Sinn machen: Sich gegenseitig unterstützen und durchdringen. Dadurch entsteht eine lebendige Struktur, die sich sehr gut selber reguliert und die mit wenig Aufwand einen hohen Ertrag ermöglicht.

Dieser Vorteil gegenüber dem "konventionellen - sagen wir mal - Gemüse - Anbau liegt also im kleinen Arbeitsaufwand und im hohen Ertrag. Wenn du jedoch für den grossen Markt produzierst, werden die Nachteile sichtbar: Du kannst auf deinem Stück Land nicht so viel Tomaten ziehen, wie der Bauer nebenan mit seiner Monokultur. Dass es bei dir neben Tomaten auch noch Äpfel, Gänseeier, Salat, Radieschen, Karpfen, Honig und Kürbis gibt, ist aus marktwirtschaftlicher Sicht nicht relevant. Der Aufwand all diese Kleinmengen in eine vernünftiges Vertriebssystem einzupassen ist einfach viel zu gross. Du wirst diese zusätzlichen Produkte also eher für deinen Eigenbedarf verwenden oder am lokalen Wochenmarkt anbieten.

Der zweite Nachteil ist der Faktor Zeit: Damit sich dein Garten zu einem blühenden Biotop entwickelt, braucht es mehrere Jahre. In der Anfangszeit ist der Ertrag vielleicht gering. Wenn du also das Land für teures Geld und mit einem Bankkredit gekauft hast, wirst du es dir gar nicht leisten können, es nach Permakultur Grundsätzen zu bebauen.

Soweit kann ich dir folgen. Was hat das jetzt aber alles mit einem Wirtschaftsunternehmen zu tun? Ich bin daran interessiert wie die Menschen sich in einem Unternehmen wohl fühlen können und die Firma sich trotzdem - oder gerade deshalb - zu einem rentablen Unternehmen entwickelt?

Das ist es ja genau. Ich gehe davon aus dass sich das Prinzip der Permakultur bruchlos auf die Organisation eines Unternehmens übertragen lasst. Ein Mensch, der in seiner Gesamtheit gesehen und nicht auf eine einzige Funktion reduziert wird, der sich frei entwickeln kann und der mit seinem Umfeld in einem intensiven und reichen Austausch steht, wird sich nicht nur wohl fühlen, sondern auch viel produktiver sein. Seine Produktivität wird sich dann selbstverständlich nicht an einer einzigen Funktion messen lassen, sondern wird erst in der Summe seiner Funktionen, Ideen und Einflüssen sichtbar. Das setzt jedoch zwei Komponenten voraus, die normalerweise in einem Wirtschaftsunternehmen nicht im Vordergrund stehen: Community und Spiritualität. Mit Community meine ich ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Die Menschen müssen über alle Verschiedenheiten hinweg ein Interesse aneinander haben und gemeinsame Werte teilen.

Mit Spiritualität meine ich ein Bewusstsein, dass ein gegenseitiges Überschneiden und Durchdringen von Funktionen, Meinungen und Werten zulässt und die Fähigkeit hat das Gemeinsame hinter der Verschiedenartigkeit wahrzunehmen und zu leben. Ein wichtiges Element in der Philosophie der Permakultur ist, Störungen nicht zu bekämpfen sondern sie als Teil der Lösung zuzulassen. Auch diese Sichtweise gehört für mich zu einem spirituellen Bewusstsein.

Das tönt für mich sehr utopisch...

Du hast natürlich recht, es fehlen wie weiter oben beschrieben, oft die Schnittstellen zur "normalen" Welt. Dadurch finden einzelne Wirtschaftsprojekte, die den Grundsätzen der Permakultur folgen, im luftleeren Raum statt und leiden unter ihrer Sektenhaftigkeit. Es gibt jedoch auch andere Beispiele. Eins der besten, das ich kenne ist die Greyston-Bäckerei in New York. Dieses florierende Unternehmen wurde von der Zen Community New York gegründet. Die Geschichte dazu lässt sich im Buch " Anweisungen für den Koch", von Zen Meister Bernard Glassman nachlesen.

Ich bin auch gerne bereit dieses Prinzip mit jeder kleiner oder mittleren Unternehmung durchzuspielen. Die Firmenleitung sollte sich dann jedoch nicht wundern, wenn in ihrem Betrieb neben der bestehenden Produkte - oder Dienstleistungspalette mit der Zeit auch ein Kinderhort, ein Bistro und vielleicht sogar ein Permakulturgarten entsteht! Einfacher als ein bestehendes Unternehmen in ein Permakultur-Unternehmen zu verwandeln ist, ein neues von Anfang an in dieser Philosophie aufzubauen.



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