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Stärken - Schwächen - Qualitätenvon Thomas DienerWer mit einer Laufbahnberatung oder Berufsberatung beginnt, will meist mehr über seine Stärken und Schwächen erfahren. Schließlich ist das eine der gefürchteten Fragen bei Bewerbungsgesprächen. Dazu erst einmal die gute Nachricht: Es gibt keine Schwächen. Die schlechte: Es gibt auch keine Stärken. Wir haben Fähigkeiten, Neigungen und Qualitäten. Ob es sich dabei um Stärken oder Schwächen handelt, ist erst aus dem Kontext heraus zu beurteilen. Die Stärke des Elefanten kommt in der Waldarbeit gut zur Geltung. In einem Porzellanladen möchten wir ihn lieber nicht als Verkäufer. Es gibt keine einzige Neigung, die nicht in gewissen Situationen unpassend wäre. In einer anderen ist sie genau dass, was von Ihnen erwartet wird. Wir sollten also die moralische Brille ablegen, wenn wir über unsere Fähigkeiten und Qualitäten nachdenken. Denn: Die Teile von uns, die wir ablehnen, werden sicher ausgerechnet im ungünstigsten Moment in den Vordergrund treten und in diesem Kontext dann als Schwächen wahrgenommen, worauf wir sie noch weniger mögen – ein Teufelskreis. Arbeit besteht nicht nur aus den Tätigkeiten, die wir machen, sondern wird zu einem großen Teil über die Welt definiert, in der wir diese Tätigkeiten ausüben. In einer kreativen Laufbahnberatung machen wir uns auf die Suche nach den Welten, in denen Ihre Qualitäten, Neigungen und Fähigkeiten sich möglichst oft als Stärken zeigen könenn. Nehmen wir das Beispiel eines Menschen, der ein geborener Whistleblower ist. Ein Mensch also, der Missstände, illegales Handeln und Fehler aufdeckt und an die Öffentlichkeit bringt. Das war eine Eigenschaft die in den meisten Organisationen, in denen er gearbeitet hatte, nicht geschätzt wurde. In seiner Berufslaufbahn reihten sich Kündigung an Kündigung. Durch diese Erfahrungen kam er zum Schluss, dass er offenbar ein unangenehmer Zeitgenosse ist, seine moralischen Ansprüche über Bord kippen und sich endlich zusammenreissen sollte. Wir arbeiteten an seiner speziellen Qualität und überlegten uns, in welchem Kontext er sie sinnvollerweise einsetzen könnte. Er bewarb sich daraufhin auf eine Stelle als Kampagnenleiter in einer NGO und arbeitet fünf Jahre später immer noch erfolgreich dort. Die Qualität des Whistleblowers wurde in diesem Umfeld geschätzt! Er ist mutig und engagiert sich für die Sache, lässt sich nicht so schnell von Autoritäten beeindrucken und ist sehr gewissenhaft und ehrlich. Dabei vertritt er seine Ansichten und Meinungen hartnäckig und fachkompetent. Dass er in diesem - seine Qualitäten wertschätzenden - Umfeld gegenüber seinem Arbeitgeber und den KollegInnen auch tatsächlich umgänglicher und milder wurde, sei hier nur noch am Rande erwähnt. Übungen zum Thema |
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